Improvisiert, aber von Herzen

Die Stimmung spaltete sich zusehends. Auf der einen Seite am Samstag ein Party mit Weinproduzenten mit ausgelassener Stimmung. Einer der Weinbauern spielte genial Akkordeon, ein altes Instrument, dem teilweise Knöpfe fehlen und der eine Umhänge-Riemen aus zusammengeknüpften Küchentüchern besteht. Damit brachte er uns alle ausgelassen zum Tanzen. Auf der anderen Seite die Gedanken an die gesunkene Gallant, an die Toten. Köchin Giulias Gesicht wurde von Tag zu Tag düsterer.

Um die Kartons mit den Flaschen an Bord zu bekommen, hatten wir eine Rutschbahn  gebaut.

Als am Montag Abend nach dem Einladen von fast 20 000 Flaschen eine weitere Degustation anstand, klopfte ich dreimal auf eine der Flaschen und wies darauf hin, dass der Dienstag der letzte Tag sei, an dem wir beim Denkmal für die ertrunkenen Seeleute uns für eine Abschiedsfeier versammeln können, denn am Mittwoch kommen die neuen Trainees. Die sollten wir nicht mit einer Todesbotschaft empfangen.

Die Stimmung änderte sich schlagartig. Wir beschlossen, am nächsten Tag zu diskutieren, was wir machen, und dass ich etwas schreiben solle. Die Gäste verliessen das Schiff sehr bald, der Abend war gelaufen. Aber eigentlich stimmten alle zu.

Der kommende Tag zeigte dann, dass die Feier einem Bedürfnis entsprach: Bootsfrau Jess schnitt aus den Resten eines alten Segels ein Stück heraus, Giulia malte mit Filzstift die Botschaft darauf, der Blumenstrauss erhielt immer mehr Zuwachs, und Anne-Flore, die Kapitänin der vorangegangenen Reise, die mit ihrem Motorrad angereist war, zeichnete die Gallant, ich übte auf der Mundharmonika ein Lied, das wir schnell texteten. An der Feier tauchte eine weitere Zeichnung auf, plötzlich war eine Kerze da.

Anne-Flore malte die Gallant auf das alte Segeltuch.

Die Feier selbst war vielleicht etwas unbeholfen, aber echt. Ich hatte mir zwar einen Text ausgedacht, aber keinen Ablauf. Über weite Strecken haben wir einfach geschwiegen, bis mich jemand anstupfte, ob wir nicht das Lied noch einmal singen könnten, um einen Abschluss zu finden. Viele Umarmungen.

Ein Passant machte für uns ein Gruppenbild vor dem Denkmal für die Seeleute, die auf immer draussen bleiben.

Anne-Flore wird das bemalte Stück Segel der Blue Schooner Company bringen, als Gruss von der Crew der Tres Hombres. Seither geht es uns besser, der Bann ist gebrochen.

Morgen wollen wir ablegen in Richtung Kopenhagen, heute haben wir das Schiff seefertig und die neuen Trainees mit dem Schiff vertraut gemacht. Am nachmittag übten wir das Anziehen der Überlebensanzüge. Dass diese nötig sind, hat der Unfall der Gallant gezeigt.

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